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<title>Pektorale</title>
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<h1 id="firstHeading" class="firstHeading mw-first-heading"><span class="mw-page-title-main">Pektorale</span></h1>
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<p>Das <b>Pektorale</b> (<a href="Plural" title="Plural">Mehrzahl</a> <i>Pektoralien</i> oder <i>Pektorales</i>; von <a href="Latein" title="Latein">lateinisch</a> <i>pectoralis</i> „die Brust betreffend, zur Brust gehörig“) bezeichnet unter anderem das Brustkreuz geistlicher Würdenträger, früher auch einen einfachen Schutz für den Oberkörper. Der Begriff wird heute fast ausschließlich im religiösen und archäologischen Kontext verwendet.
</p>

<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Pektoralien_als_Insigne">Pektoralien als Insigne</h2></div>
<p>Ein Brustkreuz ist im <a href="Christentum" title="Christentum">Christentum</a> eine <a href="Insigne" title="Insigne">Insigne</a> für <a href="Bischof" title="Bischof">Bischöfe</a> (deshalb auch für den <a href="Papst" title="Papst">Papst</a>), <a href="Kardinal" title="Kardinal">Kardinäle</a>, <a href="Abt" title="Abt">Äbte und Äbtissinnen</a> und <a href="Dompropst" title="Dompropst">Dompröpste</a>. Das Pektorale wird an einer <a href="Kordel_(Textilie)" title="Kordel (Textilie)">Kordel</a> (<a href="Pektoralkordel" title="Pektoralkordel">Pektoralkordel</a>) – die je nach Rang unterschiedliche Farben haben kann – oder einer Kette getragen.
</p><p>In den <a href="Orthodoxe_Kirchen" title="Orthodoxe Kirchen">orthodoxen Kirchen</a> slawischer Prägung wird das Brustkreuz von jedem <a href="Priester_(Christentum)" title="Priester (Christentum)">Priester</a> getragen, in den orthodoxen Kirchen griechischer Prägung als Auszeichnung.
</p><p>In evangelischen Kirchen tragen die <a href="Landesbischof" title="Landesbischof">Landesbischöfe</a>, die Bischöfe der <a href="Selbst%C3%A4ndige_Evangelisch-Lutherische_Kirche" title="Selbständige Evangelisch-Lutherische Kirche">Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche</a> (SELK) und <a href="Propst" title="Propst">Pröpste</a> lutherischer Kirchen sowie geistliche Oberkirchenräte/Konsistorialräte ein Brustkreuz als Zeichen ihres Amtes. Es wird bei der Amtsübergabe an den nachfolgenden Inhaber des Amtes weitergegeben. Vereinzelt tragen auch lutherische Pfarrer in der SELK kleinere und weniger aufwändig gearbeitete Brustkreuze, worin sich unter anderem die Einheit von Pastoren- und Bischofsamt ausdrückt.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Pektoralien_in_der_Antike">Pektoralien in der Antike</h2></div>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Apotropäische_Pektoralien"><span id="Apotrop.C3.A4ische_Pektoralien"></span>Apotropäische Pektoralien</h3></div>

<p>Vorläufer der oben beschriebenen Pektoralien wurden schon im <a href="Neolithikum" class="mw-redirect" title="Neolithikum">Neolithikum</a> (<a href="B%C3%A1culo" title="Báculo">Báculos</a>, <a href="Schieferplattenidol" title="Schieferplattenidol">Schieferplattenidole</a>), im <a href="Altes_%C3%84gypten" title="Altes Ägypten">alten Ägypten</a> sowie von den <a href="Iberer" title="Iberer">Iberern</a> (<i><a href="Dama_de_Elche" title="Dama de Elche">Dama de Elche</a></i>, <i><a href="Dama_de_Baza" title="Dama de Baza">Dama de Baza</a></i> u.&nbsp;a.) getragen. Sie dienten ursprünglich vorrangig magischen, das heißt <a href="Apotrop%C3%A4isch" class="mw-redirect" title="Apotropäisch">apotropäischen</a> Zwecken, indem sie als eine besondere Form des <a href="Amulett" title="Amulett">Amuletts</a> getragen wurden. In diesem Kontext haben sie sich auch als Schmuckstück der <a href="Pharao" title="Pharao">Pharaonen</a>, höheren Priester und sonstigen Angehöriger wohlhabenderer Schichten etabliert.
</p><p>Auch symbolisierten sie göttlichen Schutz oder königliche Herrschaft sowohl für den sie tragenden Lebenden als auch für den Verstorbenen, indem man <a href="Sarkophag" title="Sarkophag">Sarkophage</a> mit Pektoralien schmückte. Im <a href="KV62" title="KV62">Grab</a> von <a href="Pharao" title="Pharao">Pharao</a> <a href="Tutanchamun" title="Tutanchamun">Tutanchamun</a> fanden sich verschiedene Pektoralien sowohl an der Mumie als auch in Kästen. Oft wurde das Motiv eines rüttelnden <a href="Falken" title="Falken">Falken</a> mit ausgebreiteten Schwingen verwendet.<sup id="cite_ref-1" class="reference"><a href="#cite_note-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Die Größe variierte von einer Handbreite bis zu dem ganzen Brustbereich. Die Motive waren meist religiöser Natur, z.&nbsp;B. <a href="Skarab%C3%A4us" title="Skarabäus">Skarabäen</a>, das <a href="Horusauge" title="Horusauge"> Udjat</a> (Horusauge); im königlichen Bereich finden sich die üblichen (kanonischen) Motive wieder: das Zertreten der Feinde durch den König in Form von einer oder zwei <a href="Sphinx_(%C3%A4gyptisch)" title="Sphinx (ägyptisch)"> Sphingen</a>, die in Geiergestalt dargestellte Himmels- und Kronengöttin <a href="Nechbet" title="Nechbet">Nechbet</a> als Symbol für Oberägypten sowie die Schlangengöttin <a href="Wadjet" title="Wadjet">Wadjet</a> als Symbol für Unterägypten.
</p><p>Ein auffälliges Pektorale in Form eines quadratischen Brustschilds aus Stoff (<a href="Choschen" title="Choschen">Choschen</a>), in den zwölf große, goldgefasste Edelsteine eingenäht waren, befestigt an sich überkreuzenden purpurblauen Bändern als Rückenträger, gehörte zur kultischen Amtstracht der <a href="Jerusalemer_Hohepriester" title="Jerusalemer Hohepriester">Jerusalemer Hohepriester</a> am <a href="Jerusalemer_Tempel" title="Jerusalemer Tempel">jüdischen Tempel</a>, die bis zur <a href="Eroberung_von_Jerusalem_(70_n._Chr.)#Die_Zerstörung_des_Tempels" title="Eroberung von Jerusalem (70 n. Chr.)">Zerstörung des Tempels</a> bei den Opferritualen des Tempelkultes getragen wurde.<sup id="cite_ref-2" class="reference"><a href="#cite_note-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Der hohepriesterliche Prachtornat, zu dem diese Brustplatte gehörte, durfte nur an Festtagen und auch nur in bestimmten Reinheitsbereichen des Tempels angelegt werden und wurde ansonsten unter Kontrolle der Tempelbehörden, zeitweilig auch der römischen Besatzungsmacht, in der <a href="Burg_Antonia" title="Burg Antonia">Burg Antonia</a> verwahrt.<sup id="cite_ref-3" class="reference"><a href="#cite_note-3"><span class="cite-bracket">[</span>3<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Kardiophylax">Kardiophylax</h3></div>
<p>Ebenfalls als Pektorale bezeichnet wurde eine auch Kardiophylax genannte Metallplatte, die als einfacher Panzerschutz im Kampf vor dem Brustkorb getragen wurde. In der Frühzeit des <a href="R%C3%B6misches_Reich" title="Römisches Reich">römischen Reiches</a> war das Pektorale die übliche Körperpanzerung der unteren <a href="Zensus_(Rom)" title="Zensus (Rom)">Zensusklassen</a>.
</p><p>Als Schmuck, aber auch als Schutz für Pferde, etwa gegen Pfeile, dienten Pektorale wie eine zwischen 1000 und 800 v. Chr. kunstvoll gefertigte Pferdepektorale aus <a href="Hasanlu" title="Hasanlu">Hasanlu</a>. Abbildungen von assyrischen Militärpferden mit solchem Brustschutz sind mehrfach vorhanden.<sup id="cite_ref-4" class="reference"><a href="#cite_note-4"><span class="cite-bracket">[</span>4<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Mesoamerika">Mesoamerika</h2></div>
<p>Viele Würdenträger in den <a href="Mesoamerika" title="Mesoamerika">mesoamerikanischen</a> Kulturen (<a href="Olmeken" title="Olmeken">Olmeken</a>, <a href="Maya" title="Maya">Maya</a>, <a href="Azteken" title="Azteken">Azteken</a>) sind durch ihren aufwendig gestalteten Brustschmuck besonders hervorgehoben. Ein Beispiel dafür sind die „Zwillinge“ von <a href="El_Azuzul" title="El Azuzul">El Azuzul</a>.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Pazifischer_Raum">Pazifischer Raum</h2></div>
<p><i><a href="Rei-Miro" title="Rei-Miro">Rei-Miro</a></i> ist ein nur in der Kultur der <a href="Osterinsel" title="Osterinsel">Osterinsel</a> bekanntes hölzernes Pektorale, vorwiegend aus <a href="Toromiro" title="Toromiro">Toromiro</a>-Holz geschnitzt. Es hat eine <a href="Mondsichel" title="Mondsichel">mondsichelartige</a> Form, die auch als <a href="Polynesien" title="Polynesien">polynesisches</a> <a href="Kanu" title="Kanu">Kanu</a> gedeutet werden kann. Die beiden Enden sind häufig als menschliche oder tierische Köpfe mit feinen Gesichtszügen ausgebildet. An den oberen Enden befinden sich Löcher für eine Umhängeschnur. Einige Pektoralien sind mit <a href="Rongorongo" title="Rongorongo">Rongorongo</a>-Schriftzeichen versehen. Ihre Bedeutung (Kultgegenstand, <a href="Schmuck" title="Schmuck">Schmuck</a> oder Rangabzeichen) ist unbekannt.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Siehe_auch">Siehe auch</h2></div>
<ul><li><a href="Goldenes_Prediger-Brustkreuz" title="Goldenes Prediger-Brustkreuz">Goldenes Prediger-Brustkreuz</a></li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Literatur">Literatur</h2></div>
<ul><li><a href="Otto_Nu%C3%9Fbaum" class="mw-redirect" title="Otto Nußbaum">Otto Nußbaum</a>: <i>Das Brustkreuz des Bischofs. Zur Geschichte seiner Entstehung und Gestaltung</i>. Matthias-Grünewald-Verlag, Mainz 1964.</li>
<li><a href="Erika_Feucht" title="Erika Feucht">Erika Feucht</a>: <i>Pektorale nichtköniglicher Personen</i> (= <i>Ägyptologische Abhandlungen.</i> Bd. 22). Harrassowitz, Wiesbaden 1971, ISBN 3-447-01319-2.</li>
<li>Henrieta Todorova, Ivan Vajsov: <i>Der kupferzeitliche Schmuck Bulgariens</i> (= <i>Prähistorische Bronzefunde.</i> Abt. 20, 6). Steiner, Stuttgart 2001, ISBN 3-515-07616-6, S. 69.</li>
<li><a href="Jewhen_Tschernenko" title="Jewhen Tschernenko">Evgenij V. Černenko</a>: <i>Die Schutzwaffen der Skythen</i> (= <i>Prähistorische Bronzefunde.</i> Abt. 3, 2). Steiner, Stuttgart 2006, ISBN 3-515-08659-5.</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Weblinks">Weblinks</h2></div>
<div class="sisterproject" style="margin:0.1em 0 0 0;"><div class="noresize noviewer" style="display:inline-block; line-height:10px; min-width:1.6em; text-align:center;" aria-hidden="true" role="presentation"><span class="mw-default-size" typeof="mw:File"><span title="Commons"></span></span></div><b><span class=""><a class="external text" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Pectoral_neckwear?uselang=de"><span lang="en">Commons</span>: Pektorale</a></span></b>&nbsp;– Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien</div>
<div class="sisterproject" style="margin:0.1em 0 0 0;"><span class="noviewer" style="display:inline-block; line-height:10px; min-width:1.6em; text-align:center;" aria-hidden="true" role="presentation"><span class="mw-default-size" typeof="mw:File"><span title="Wiktionary"></span></span></span><b><a href="https://de.wiktionary.org/wiki/Pektorale" class="extiw external" title="wikt:Pektorale">Wiktionary: Pektorale</a></b>&nbsp;– Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen</div>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Einzelnachweise">Einzelnachweise</h2></div>
<ol class="references">
<li id="cite_note-1"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-1">↑</a></span> <span class="reference-text"><style data-mw-deduplicate="TemplateStyles:r261891140">
/* start https://de.wikipedia.org/ */


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/* end https://de.wikipedia.org/ */
</style><a rel="nofollow" class="external text" href="https://web.archive.org/web/20130227052123/http://www.britishmuseum.org/explore/highlights/highlight_objects/aes/g/gold_pectoral_of_a_hovering_fa.aspx">Gold pectoral of a hovering falcon</a> (<span class="webarchiv-memento"><a href="Webarchivierung#Begrifflichkeiten" title="Webarchivierung">Memento</a></span> vom 27. Februar 2013 im <i><a href="Internet_Archive" title="Internet Archive">Internet Archive</a></i>), S. Quirke and A.J. Spencer, The British Museum book of anc (London, The British Museum Press, 1992).</span>
</li>
<li id="cite_note-2"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-2">↑</a></span> <span class="reference-text">Oliver Gußmann: <i>Das Priesterverständnis des Flavius Josephus</i> (= <i>Text and Studies in Ancient Judaism.</i> Band 124). Mohr Siebeck, Tübingen 2008, ISBN 978-3-16-149562-5, S. 379–381 m.&nbsp;Abb. S.&nbsp;433.</span>
</li>
<li id="cite_note-3"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-3">↑</a></span> <span class="reference-text">Oliver Gußmann: <i>Das Priesterverständnis des Flavius Josephus.</i> S.&nbsp;404.</span>
</li>
<li id="cite_note-4"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-4">↑</a></span> <span class="reference-text"><a href="Erika_Bleibtreu" title="Erika Bleibtreu">Erika Bleibtreu</a>: <i>Iran in prähistorischer und frühgeschichtlicher Zeit.</i> In: <a href="Wilfried_Seipel" title="Wilfried Seipel">Wilfried Seipel</a> (Hrsg.): <i>7000 Jahre persische Kunst. Meisterwerke aus dem Iranischen Nationalmuseum in Teheran: Eine Ausstellung des Kunsthistorischen Museums Wien und des <a href="Iranisches_Nationalmuseum" title="Iranisches Nationalmuseum">Iranischen Nationalmuseums</a> in Teheran.</i> Kunsthistorisches Museum, Wien 2001, S. 77–185, hier S. 79 und 172–173.</span>
</li>
</ol>
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Normdaten&nbsp;(Sachbegriff): <a href="Gemeinsame_Normdatei" title="Gemeinsame Normdatei">GND</a>: <span class="-print"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://d-nb.info/gnd/4173617-5">4173617-5</a></span> &nbsp;| Anmerkung: <i>Weiterer Datensatz unter <a href="Gemeinsame_Normdatei" title="Gemeinsame Normdatei">GND</a> <a rel="nofollow" class="external text" href="https://d-nb.info/gnd/4352677-9">4352677-9</a></i></div>
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